01.07.2009 19:43:00   [ bully ]

  permanent link for NACHTRAG: DIE SO FLUID & PRONG in der Szene Wien and advanced comment

Aja, fast vergessen hier zu erwähnen, ein wahrlich fantastisches Konzert fand letzten Dienstag in der Szene statt.

Kurze Rückblende: Am 16. Januar 2008 spielt die New Yorker Groove-Legende einen Gig im Grazer Orpheum. Geschätzte 40 Hanseln verirren sich in den kleinen Saal – und Tommy Victor, der Mann, der Mitte der 90er noch als Headliner beim Dynamo-Festival umjubelt wurde, spielt dermaßen furios auf, als würde es der letzte Gig seines Lebens sein. Genau aus diesem Holz sind echte Champs geschnitzt. Entsprechend groß ist die Vorfreude auf das Konzert in der Wiener Szene, die mit zirka 200 Besuchern leidlich gut gefüllt ist. Ansonsten ist alles beim Alten, und oops: Tommy did it again.

Den Abend eröffnen die Briten , die wie die Guano Apes mit einer X-Large Ausgabe von Emily the Strange am Mikro wirken und klingen. Irgendwas macht die Band falsch, denn obwohl Frontfrau Grog rekordverdächtig lange Beine hat, schafft sie es, von den ohnehin noch schütteren Reihen konsequent ignoriert zu werden. Klares Indiz für diese Missachtung: Nicht ein besoffener Proll meldet sich mit einem „Ausziehen!“-Rülpser zu Wort. Wie gesagt – da läuft etwas schief.



Bei Tommy Victor ruft zwar auch niemand „Ausziehen!“, doch dafür ist er erstens mittlerweile zu alt und zweitens heizt er der Meute selber dermaßen ein, dass sich diese spätestens nach den ersten drei Liedern zu entblättern beginnt. Prong spielen mörderisch tight und prügeln so vehement auf das verdutzte Publikum ein, dass dieses zunächst gar nicht kapiert, was hier eigentlich abgeht. Ist allerdings auch nicht nötig, denn Brecher wie „Another Wordly Device“ oder „Rude Awakening“ fahren ohne Umwege direkt in die Glieder. Dabei fällt auf, dass die Songs vom letzten Album POWER OF THE DAMAGER (2007) qualitativ gar nicht sooo weit weg sind von den alten Klassikern. Von denen gibt es natürlich einige, daher spart sich die Band jegliche Ansage und feuert stattdessen eine Groove-Granate nach der anderen ab.



Star des Abends ist unbestritten der Meister selbst: Tommy ist einmal mehr Victor-ious, untermalt die Songs mit wilden Gesten und irrer Mimik und intoniert sie mit einer Inbrunst, die man nur mit dem Begriff „pure Spielfreude“ beschreiben kann. Der Rest des Trios steht dem kaum nach, speziell Drummer Aaron Rossi sieht nicht nur aus wie der Baustellen-Vorarbeiter mit dem Presslufthammer, er spielt auch so und verarbeitet seine Schießbude zu Kleinholz. Wer an Reinkarnation glaubt, sollte schon mal zu beten anfangen, im nächsten Leben nicht als Drumkit von Prong wiedergeboren zu werden.

Nach 110 höllisch fetten Minuten ist der (neben Hellsongs und Down) beste Club-Gig der laufenden Saison zu Ende, und eigentlich lässt er nur eine einzige Frage offen: Wie geil sind Prong eigentlich?



Fotos gibts und

0 comments

 
random photo